Ich spüre was,
was du nicht siehst
2025
„Ich spüre was, was du nicht siehst“
Ein Projekt über Bedürfnisse, Sprache und zwischenmenschliche Beziehungen.
Gestaltet für Menschen ab acht Jahren. Ein interaktives Set bestehend aus einem Arbeitsheft zu Wertschätzender Kommunikation und einem Kartenset zu Bedürfnissen.
Hintergrund und Zielgruppe
Im Februar 2025 nahm ich an einem Seminar zum Thema “Wertschätzende Kommunikation” teil. Das Thema begeisterte mich und im Austausch mit dem Seminarleiter entstand die Idee Arbeitsmaterial zu diesem Thema zu gestalten.
Was ist Wertschätzende Kommunikation?
Wertschätzende Kommunikation kennt man im Deutschen auch unter dem Begriff “Gewaltfreie Kommunikation”. Es ist ein Modell, welches in den 60er Jahren von dem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. (engl.: “Non Violent Communication”)
Wichtiges Aspekte dieser Methode sind zum Einen das Zuhören und zum Anderen ein Vier-Schritte-Schema um sich selbst auszudrücken.
Diese Schritte bestehen aus:
Beobachtung klären
Gefühle ausdrücken
Bedürfnisse benennen
Bitten
Zielgruppe
Durch den Umstand, dass der Seminarleiter ebenfalls Kurse für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren anbietet, entstand die Idee, Arbeitsmaterialien für diese Zielgruppe zu gestalten.
Es folgte eine umfassende Analyse, wie Kinder in diesem Alter besonders gut lernen, welche Inhalte aufgenommen werden können, wo es bei diesem Thema Probleme gibt und worauf bei der Gestaltung besonderer Fokus gelegt werden sollte.
Ausgehend von dieser Analyse wurde zum Einen ein Arbeitsheft zu Wertschätzender Kommunikation gestaltet und zum Anderen ein Kartenset zum Thema Bedürfnisse, welches sowohl ergänzend, als auch separat von einer breiteren Zielgruppe genutzt werden kann.
Ziel war es eine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit zu schaffen.
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Visuelle Unterstützung kann einen emotionalen Zugang schaffen, Identifikation ermöglichen und die Komplexität reduzieren.
Serifenlose Schriften und klare Hierarchien sind lesefördernd.
Ein klares Farbkonzept kann Emotionen verstärken und Orientierung geben.
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DasGrundkonzept wird verstanden, Schwierigkeiten gibt es häufig beim Benennen von Bedürfnissen
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Verinnerlichung von Gelerntem erfolgt vor allem durch aktive Handlungen.
Spaß hilft beim Lernen.
Gestaltung Heft
Format und HAptik
Das Heft wurde im Format 180 × 148 mm (Hochformat) realisiert. Dieses Maß orientiert sich an etablierten Formaten im Bereich von Kinder- und Arbeitsbüchern und ein gewohntes Format kann das Vertrauen fördern. Die nahezu quadratischen Proportionen verleihen dem Heft eine spielerische Anmutung, während das handliche Format eine altersgerechte Handhabung erleichtert. Hochformate ermöglichen eine strukturierte Leseführung und fördern die Übersichtlichkeit im Blätterprozess.
Gebunden wurde das Heft mittels Klammerheftung, was nicht nur aus produktionstechnischen Gründen sinnvoll ist, sondern auch psychologisch: Die reduzierte Materialität senkt die Hemmschwelle zur aktiven Auseinandersetzung. Im Vergleich zu einem Hardcover-Buch, werden Offenheit für Interaktion, Mitschrift und Weiterverarbeitung signalisiert.
180mm
148mm
Typografie und Layout
Der Fokus in der Konzeption von Typografie und Layout lag auf Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit. Das Heft soll für Kinder angenehm zu lesen sein.
Die Fließtexte wurden in der Schriftart Avenir in einer Schriftgröße von 11,5 pt gesetzt. Die Avenir bietet durch ihre hohe x-Höhe, runden Buchstabenformen und offenen Punzen eine besonders gute Lesbarkeit. Der Zeilenabstand beträgt 13,5 pt, was die Textstruktur zusätzlich auflockert und das Schriftbild übersichtlich hält.
Die Zeilenlänge fördert insbesondere bei unerfahreneren Lesenden den kontinuierlichen Lesefluss und entspricht gängigen typografischen Empfehlungen für die Kinderbuchgestaltung.
Zusätzlich zum Fließtext werden gesprochene Passagen wie Beispieläußerungen in einer handgeschriebenen Schrift dargestellt.
Dieser Kontrast fördert die Orientierung und gute Unterscheidbarkeit von erklärendem Text und Beispielen. Eine Handschrift als zweite Schriftart soll die verspielte, warme Anmutung verstärken.
Die handschriftlichen Passagen wurden manuell nachgezeichnet. Dies erzeugt eine gewisse Unregelmäßigkeit, die Authentizität vermittelt und Nähe schafft. Um den Sehgewohnheiten der Zielgruppe zu entsprechen, wurde darauf geachtet, dass das Buchstabenbild der Altersklasse entspricht.
Überschriften aller Ordnungen sind im Schriftschnitt Avenir Heavy gesetzt. Diese Vereinheitlichung schafft klare visuelle Hierarchien und bietet Orientierung ohne die Zielgruppe zu überfordern.
Farben und figur
Das Farbkonzept des Heftes basiert auf zwei Haupttönen: Rot und Blau. Diese Farben sind nicht nur visuell kontrastreich, sondern symbolisieren auch zentrale Inhalte:
Blau steht symbolisch für Ruhe und Vertrauen. Eigenschaften, die such gut als Symbolfarbe für Wertschätzende Kommunikation eignen.
Rot wird als etablierte Signal- und Warnfarbe für potentielle verletzende Kommunikation verwendet.
Insbesondere im Hinblick auf die junge Zielgruppe eignen sich diese Farben mit ihren assoziierten Bedeutungen als plakative Veranschaulichung.
Das Heft wird durch Illustrationen einer wiederkehrenden menschlichen Figur unterstützt. Sie soll als Identifikationsfigur dienen.
Die Figur wurde bewusst genderneutral, einfach und abstrahiert gestaltet, um ein möglichst breites Spektrum an Lebensrealitäten anzusprechen. Ziel war ein ausgewogenes Verhältnis von Nahbarkeit und Abstraktion.
Rhythmus und gesamtbild
In der Gesamtgestaltung entsteht ein abwechslungsreiches, aber konsistentes Erscheinungsbild.
Informative Textseiten wechseln sich mit illustrierten Inhalten und Übungsseiten ab. Es wird ein angenehmer Rhythmus erzeugt und die Aufmerksamkeit über längere Abschnitte hinweg aufrechterhalten.
Gestaltung Kartenset
Idee und Motive
Als zentrale Gestaltungselemente dienen Tiere, die metaphorisch als Helferfiguren auftreten.
Die menschliche Figur interagiert jeweils mit einem Tier, welches bei der Erfüllung eines bestimmten Bedürfnisses unterstützt. Jedem Bedürfnis ist ein anderes Tier zugeteilt.
Bei Bedürfnissen wie zum Beispiel Austausch, welche mehr als eine weitere Helferfigur nahelegen, tauchen diverse Tiere auf. Die Wahl des Tieres basiert entweder auf Eigenschaften des Tieres (z.B. Vogel =Luft/Fliegen), stereotypischen Assoziationen (z. B. Bär = Kuscheln) oder durchbricht bewusst etablierte Zuschreibungen (z. B. ein tanzender Gorilla).
Um eine klare Struktur beizubehalten und Irritationen zu vermeiden, zeigt die menschliche Figur immer ein Bedürfnis, während die Tierfigur dabei hilft, dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Hilfe wird in unterschiedlichen Formen geleistet. Teilweise übernimmt die menschliche Figur physische Attribute des Tieres.
Bei anderen Motiven hilft das Tier durch eine aktive Handlung.
Mit Übertreibungen, dem Spielen mit assoziierten Eigenschaften und dem Durchbrechen dieser, sollen humorvolle Motive entstehen.
Der Fokus liegt auf der menschlichen Figur und der Interaktion mit der tierischen Helferfigur. Um diesen zu betonen werden abseits von kontextuellen Einordnungen keine Umgebungselemente gezeigt.
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Farbe und Schriftzug
Zur strukturellen Orientierung und Unterstützung der inhaltlichen Gliederung wurde jeder Bedürfniskategorie eine Farbe zugewiesen.
Die gewählten Farben harmonieren im Gesamtbild, vermeiden stereotypische Farbcodes, sind geschlechtsneutral interpretierbar und weisen eine hohe visuelle Unterscheidbarkeit auf.
Die Farbcodierung der Bedürfniskategorien spiegelt sich innerhalb der Kartenillustrationen wieder. Während die Figur in ihrer neutralen Farbgebung konstant bleibt, nehmen Tiere und visuelle Elemente der Umgebung die jeweilige Kategoriefarbe auf.
Der Titel des Bedürfnisses ist auf der Vorderseite jeder Karte handschriftlich dargestellt. Die Wärme der Handschrift unterstützt die emotionale Nahbarkeit.
Rückseiten
Die Rückseiten liefern eine kurze, kindgerechte Erklärung des jeweiligen Bedürfnisses. Die Texte sind in Avenir 9,5pt gesetzt – eine Größe, die für geübte Leser:innen gut erfassbar bleibt, ohne die kleine Kartenfläche zu überladen. Auch für Leseanfänger:innen bleibt die Lesbarkeit durch die serifenlose, klare Avenir gewährleistet.
Beispiele zur Veranschaulichung sind in der Handschrift gesetzt und bieten zusätzliche Identifikationsmöglichkeiten. Der illustrative Stil der Vorderseite wird durch kleine grafische Elemente auf der Rückseite fortgeführt, welches die visuelle Kohärenz stärkt. Eine farbliche Markierung informiert über die zugehörige Bedürfniskategorie.
Eine Erklärung dieser Bedürfniskategorien findet sich auf der Verpackung.
handhabung & Verpackung
Für die Karten wurde das Format 80 × 120 mm gewählt – größer als klassische Spielkarten und gut handhabbar für Kinderhände. Dieses Format bietet ausreichend Raum für Bild und Text in gut lesbarer Größe und bleibt dabei mobil und vielseitig einsetzbar.
Die Verpackung orientiert sich gestalterisch am Titel und Stil des Heftes, um eine visuelle Klammer zu schaffen.
In ihrer Farbigkeit unterscheidet sich die Verpackung jedoch leicht, indem ein Grünton dominiert. Dieser wurde als geschlechtsneutral, freundlich und signalstark bewertet. Bewusst wurde keine Blau – Rot Kombination gewählt, um eine Unterscheidung vom Heft zu schaffen und eine neue Farbpalette anzukündigen.
zusammenfassung
m Zentrum meines Projekts stand die Frage, wie Wertschätzende Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg kindgerecht und visuell ansprechend vermittelt werden kann.
Gestalterisch habe ich mich damit beschäftigt, in welchen Aspekten Design bei der Informationsvermittlung an Kinder einen Mehrwert leisten kann. Ziel war es, Materialien zu gestalten, die sowohl im pädagogischen als auch im privaten Kontext genutzt werden können, um die Auseinandersetzung mit Sprache, Gefühlen und Bedürfnissen zu unterstützen.
Im Verlauf der Konzeption wurde deutlich, dass pädagogische Inhalte besonders dann nachhaltig vermittelt werden können, wenn sie in eine klare, visuelle Sprache übersetzt werden, die Kindern Identifikationsmöglichkeiten bietet.
Während das Heft zur strukturierten Wissensvermittlung dient, ermöglichen die Karten einen spielerischen und individuellen Zugang zu einzelnen Bedürfnissen.
Die Konzeption der Figur und der Tiermotive auf den Karten war ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Die Kombination aus einer genderneutralen Figur und tierischen Partnern soll Identifikation fördern und Bedürfnisse erfahrbar machen. Die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor und zwischen Abstraktion und Emotionalität, ermöglichte eine Gestaltung, die Kindern Orientierung bietet, ohne sie zu unterfordern.